!ping! Natürlich würden die meisten arbeitsfähigen Menschen lieber wochenlang an irgendeinem Traumstrand dieser Welt herumliegen und sich bedienen lassen, als morgens in der stinkigen S-Bahn ins Büro zu fahren. Wäre etwas falsch an dieser Behauptung, bräuchten wir keine Urlaubs- und Freizeitindustrie. An diesem Hang zur exessiven Faulheit ist auch garnichts auszusetzen. Wer ein Haustier hat, weiß, daß Genosse Hund oder Freundin Muschi nur durch die Gabe von Leckerlis dazu bewegt werden können, sich von ihren kuscheligen Schlafplätzen zu erheben. Lebewesen sind nun eben mal faul, das dient der Energieersparnis. Die Evolution hinkt in diesem Fall der Weltsicht eines Guido Westerwelle und der seiner Geistesgenossen hinterher. Deren neuerliche Überzeugung, dass der Mensch durch äußere Einflüsse zur Arbeitsleistung gezwungen werden muß, ist bekanntlich nicht neu. Jahrtausende mussten Sklaven, Kleinbauern und Angehörige niederer Stände unter miserablen Bedingungen die Lebensqualität der jeweiligen Herrscherdynastie erhalten und erhöhen. Die Hinwendung zum Humanismus, zur Einsicht, daß einfaches Anlocken unter Zuhilfenahme adäquater Belohnungsangebote auch funktioniert, dauerte bis ins 19.Jahrhundert. Leider ignoriert unser verehrter Vizekanzler dieses mittlerweile bewährte Belohnungssystem nicht nur vollkommen, er stellt es sogar auf den Kopf. Einerseits soll sich seiner Aussage nach Leistung wieder lohnen, andrerseits kann Herr Westerwelle nichts Falsches an Stundenlöhnen von zwei oder drei Euro finden. Selbstverständlich tut es mancher Bedürftige da lieber seinem pelzigen Hausgenossen gleich, und bleibt in seinem Körbchen liegen. Was Herr Westerwelle nämlich nicht sagt, ist, für wen genau sich die erbrachte Leistung schlußendlich wieder lohnen soll. Vermutlich ahnen die Betroffenen, das sie es nicht sind. Die wirklich Bestraften aber, wären bei einer Verwirklichung von Westerwelles Ideen natürlich die Kinder der Bedürftigen. Wer eigene Nachkommen hat, weiß, daß man Kinder nicht dauernd mit billigem Zuckerzeug, Schwermetallspielzeug aus China und Formschinkenpizza vom Discounter bei Laune halten kann. Auch eine Entwicklung innerhalb unserer Evolution. Eltern wollen ihren Nachwuchs so gut wie möglich groß werden sehen. Zu diesem Großwerden gehören eine gesunde Ernährung, die bestmögliche Sozialisation und für alle gleiche Bildungschancen. Ob sich das mit zwangsverordnetem Schneeräumen bewerkstelligen läßt, bleibt dahingestellt. Das Einschlagen auf den vermeintlich schwächsten Gegner macht dem Aggressor keine Ehre, und hat nebenbei auch noch eine sehr unrühmliche Vergangenheit. Ein Kinofilm in Berlin, der die Geschichte der Entstehung des Propagandafilms “Jud Süß” als Thema hat, kann dazu weiterführende Informationen liefern. Selbstverständlich hat Herr Westerwelle nichts mit den damaligen Machthabern gemein. Aber dummdreiste Hetzreden helfen niemandem weiter, sie bewirken höchstens das, wozu sie gehalten werden - sie schüren Sozialhass !\ping!
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Westerwelle tuckt aus
Februar 22nd, 2010Maxi und seine Eltern 2.0
Februar 10th, 2010Pränatale Erziehung
!ping! Der Intellekt des werdenden Kindes sollte möglichst früh aus seiner Fruchtblasentranigkeit befreit werden. Pränatale Erziehung, also Wissenstransfer vor der Geburt, ist somit eines der heißeren Themata unter werdenden Eltern in Geburtsvorbereitungsgruppen. Vorerst aber sind die Mitglieder der männlichen Eltergruppe viel zu sehr damit beschäftigt, zu lernen, wie man ganz locker einen entspannten Beckenboden hinkriegt.
„ Kai-Uwe, Jens und du auch Julian, hängen lassen, ganz locker durchhängen lassen .. wenn eure Eier knapp den Boden berühren, dann seid ihr kurz davor .. ja, gut so, und jetzt wieder hochziehen, jetzt kommt schon , strengt euch an, während der Geburt könnt ihr auch nicht sagen, ich kann nicht mehr,“ hörte ich kürzlich eine zugegeben etwas herbe Hebamme rumschmalzen. Während also die männliche Eltergruppe damit beschäftigt ist, ihren Bällchenboden zu trainieren, und der eine oder andere vor lauter Entspannung ein Ei auf den Fußboden legt, denkt die weibliche Eltergruppe mit locker schwingendem Beckenboden bereits über geeignete Maßnahmen zur pränatalen Erziehung des Nachwuchses nach. Basic Brain Workout durch Musik spielt da zum Beispiel immer noch ganz vorne mit. Keinesfalls soll der wertvolle Nachwuchs dadurch hinterbauchs zu einem Dasein als Musiker frühgeprägt werden. Vielmehr haben manche Hirnforscher viel Geld damit verdient, zu behaupten, dass die Zuführung von Musik zur vermehrten Bildung von Synapsen beiträgt. Synapsen bezeichnen im eigentlichen Sinne den Spalt zwischen Dentritenfortsätzen und Axonen verschiedener Nervenzellen, also eine gewisse Leere. Jedenfalls, Musik, vor allem die von Mozart kann ja nicht schaden. Selbst das Kärntner Fleckvieh gibt mit den Harmonien vom Wolferl mehr Milch - hat mir der Almwirt erzählt.
Damit also der Nachwuchs bestens ausgerüstet ins Leben schlüpfen kann und in der angestrebten Position als Professor für innere Medizin, Wirtschaftsingenieurin, Aktienhändler, Vorstandsvorsitzende oder, wenn’s ganz schlecht läuft, als selbstverliebter Inverstmentbänker reüssiert, wird der ungeborene Kindskopf konsequent pränatal mit Musikdarbietungen zur Bildung von Synapsen aufgefordert. Das ist, grob erklärt, der Basic Brain Workout durch Musik. Moderne Eltern sind daher schon lange davon abgekommen, zu warten bis das Kleine 2 Jahre alt ist, um es dann an Weihnachten mit einer winzigen Ein-Drittelgeige zu überraschen. Ach so, Sie wissen nicht, was eine Ein-Drittelgeige ist ? Eine Ein-Drittelgeige ist ein winziges Saiteninstrument, welches erfunden wurde, um Mietstreitigkeiten auf kürzestem Weg zu lösen. Da werdende Eltern sich sowieso irgendwie pränatal einbringen, und keinem Streit aus dem Weg gehen, passiert folgendes. Die eine oder andere Mutter beginnt während der Schwangerschaft selbst ein Musikinstrument zu erlernen. Das Instrument der Wahl für werdende Mütter sollte die Trompete sein. Trompetenspielen stärkt das Zwerchfell sowie die Bauchmuskulatur, ist deutlich zu hören, und sorgt zudem für neue Nachbarschaftskontakte. Denn auch die Nachbarn sollen ja früh genug wissen, dass es bald Zeit wird, aktuelle Mietangebote mit der derzeitigen Wohnsituation zu vergleichen. Zurück zu den Eltern.
Für den werdenden Papa würde sich vielleicht das Erlernen des Cellos anbieten. Damit provozieren die Eltern dann ganz bewusst eine Konfrontation, damit das Kleine schon pränatal lernt, wie man in einer Führungsposition mit ungewöhnlichen Ausgangssituationen fertig wird. Schließlich ist ein Duett von Trompete und Cello durchaus eine Herausforderung für die Zuhörer. Ob die Wahl der Instrumente richtig oder falsch war, lässt sich meistens gut am Ultraschall kontrollieren. Wenn ihr Gynäkologe im 7. Monat feststellt, dass die Größe der Ohren nicht proportional zum Rest passt, wird es höchste Zeit das Instrument zu wechseln. Probieren sie z.B. einfach mal eine Klarinette. Vielleicht hat das Kleine ja einen weichen Kern. Und der werdende Papa probiert´s mit einem Schlagholz. Vielleicht neigt das Kleine ja zu bodenständigeren Kommunikationstechniken? Wenn nicht, hat der Papa in den schlaflosen Nächten wenigstens was zum draufbeissen. Suchen Sie sich bitte aus der Musikliteratur was mit Pep aus, keinesfalls aber zahnloses Wiegenlieder– und Esoterikgejammere . Oder wollen sie, dass ihr Kleines später auf der Karriereleiter anderen Leuten die Tür aufhält? Denken sie immer daran, pränatal vermittelte Eindrücke halten ein Leben lang. Also rauf mit Lady Gaga und Bushido auf´s Notenpult.
Sollten sie finanziell allerdings nicht ganz so beweglich sein, wie man das an sich von modernen Eltern erwarten könnte, bleibt Ihnen immer noch die Entscheidung hin zur preisgünstigen Blockflötenvariante. Allerdings sollten sie dabei eines bedenken: wenn ihr Kleines , aufgrund ihrer pränatalen Bemühungen, später selbst Blockflötespielen lernen will, muß das nicht zwingend ein Vorteil sein. Stellen Sie sich nur vor, wie das aussieht, wenn, sagen wir mal, ihr Sohn 30 Jahre später als Diplom-Wirtschaftsingenieur auf der Geburtstagsparty seiner zukünftigen Frau seine Blockflöte rauszieht um ihr ein Ständchen zu spielen, und seine Zukünftige vor lauter Rührung den Schrank aufreisst und mit ihrer Trompete in den Vortrag einfällt. Das schaut doch dann blöd aus.
Man muß sich einfach früh genug überlegen, was man mit wem macht, und zu was das führen kann. Pränatal, meine ich. !\ping!