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Ego Internet

Januar 27th, 2010

!ping! Dies ist nicht mein erster Blog. Ich hatte unter anderem im Netz publiziert. Ich schreibe Texte, weil es meiner geistigen Gesundheit gut tut, auch wenn manche Leser vielleicht anderer Meinung sind. Meine These lautet: das worldwideweb ist ein zutiefst totalitärer und undemokratischer Ort. Der menschlichste, der je erfunden wurde. Nirgendwo sonst können sich die Teilnehmer derart hemmungslos ichbezogen gebärden. Die Antithese, das Netz wäre demokratisch, fördere soziales Verhalten und die Ausbildung einer Gruppenintelligenz, halte ich für geschäftsmäßig verbreiteten Blödsinn. Hier wird Toleranz allzu schnell mit relativer Gleichgültigkeit auf eine Stufe gestellt. Es gibt gerade im Netz kein social networking ohne den Anspruch auf größtmöglichen persönlichen Vorteil. Das worldwideweb gleicht vielmehr einem neuen Kontinent, der nach den unmißverständlichen Regeln der Conquistatores erobert wird und wurde. Hier herrschen ebenso simple wie elementare Regeln. Stärke zeigen, Gegner einschüchtern, integrieren oder besiegen. In der Folge Ressourcen ausbeuten, und langfristig die alten Regeln umformulieren oder durch die eigenen ersetzen.
Das Netz als digitaler Lebensraum ist kein Ponyhof. 24 Stunden täglich finden dort weltweit Scharmützel und Eroberungskriege statt. Beinahe täglich wechseln Leader und Follower ihre Plätze.
Hierzu fiel mir das folgende Beispiel ein. Ein Teilnehmer meldet sich bei einem der hinlänglich bekannten sozialen Netzwerke an. Hat der Novize das Aufnahmeritual, also die feierliche Vergabe einen neuen Namens, vulgo Username, die Schlüsselübergabe, vulgo Passwort, hinter sich, liegt es an ihm selbst, die Gemeinschaft vom Grad seiner Wichtigkeit und Wertigkeit zu überzeugen. Er muß also eine akzeptable Leistung erbringen. Diese notwendige Leistung muß dieser Teilnehmer mithilfe einer ebenso alten wie wirkungsvollen Kommunikationstechnik, dem sogenannten »Wie du mir, so ich dir« erbringen. Nur scheinbar entsteht dadurch ein soziales Netzwerk, in Wirklichkeit aber, dient das fortwährende »Tit for Tat« dem Gleichgewicht der Kräfte innerhalb der jeweiligen Gruppe von Teilnehmern. Das höhere Handlungsziel der Beteiligten aber, bleibt immer, die eigene Sichtbarkeit, und damit einhergehend, die eigene Rangstellung zu erhöhen. Um das höhere Handlungsziel zu erreichen, muß der kommende Leader allerdings andere Teilnehmer geschickt manipulieren. Daran gibt es erstmal nichts auszusetzen. Zweckgebundenes Handeln wohnt jedem Lebewesen auf diesem Planeten inne. Andernfalls könnte ich hier nicht sitzen und Texte schreiben. Ich kürze hier ab. Konnte also der Leader die Gemeinschaft von seiner hohen Wichtigkeit und Wertigkeit überzeugen, wird er zufrieden sein. Aber auch die Follower sind zufrieden, fällt ihnen doch auch ein Teil der Wichtigkeit und Wertigkeit ihres Leaders zu. Also, alles in allem ein guter Handel.
Wo aber wird hier aktiv durch das worldwideweb irgend etwas demokratisiert, oder soziales Handeln erzeugt? Handle ich als Subjekt etwa sozialer, intelligenter oder demokratischer, nur weil ich in einer Bibliothek herumstehe? Verändert sich diesbezüglich mein Handeln, wenn mit mir weitere zehntausend Leser in der Bibliothek herumstehen? Ich behaupte nein! Solange mein realer Körper den Bezugspunkt zu meiner realen Welt darstellt, und mein reales Gehirn einzig und allein dadurch zuverlässig mit realem Sauerstoff und Glucose versorgt wird, kann ich auch nur in einer realen Welt demokratisch und sozial handeln. Das worldwideweb erzeugt garnichts. Es ist nur die genialste Erfindung seit der Entdeckung des Penicillins durch Alexander Fleming (Quelle: Google)
!/ping!

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